Agoraphobie


Bedeutung in der gesetzlichen Unfallversicherung
ICD 10 - Diagnose-Kriterien
               
F40   Phobische Störungen
Eine Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen wird. In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. Die Befürchtungen des Patienten können sich auf Einzelsymptome wie Herzklopfen oder Schwächegefühl beziehen, häufig gemeinsam mit sekundären Ängsten vor dem Sterben, Kontrollverlust oder dem Gefühl, wahnsinnig zu werden. Allein die Vorstellung, daß die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt meist schon Erwartungsangst. Phobische Angst tritt häufig gleichzeitig mit Depression auf. Ob zwei Diagnosen, phobische Störung und depressive Episode, erforderlich sind, richtet sich nach dem zeitlichen Verlauf beider Zustandsbilder und nach therapeutischen Erwägungen zum Zeitpunkt der Konsultation.
F40.0   Agoraphobie
    Eine relativ gut definierte Gruppe von Phobien, mit Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Eine Panikstörung kommt als häufiges Merkmal bei gegenwärtigen oder zurückliegenden Episoden vor. Depressive und zwanghafte Symptome sowie soziale Phobien sind als zusätzliche Merkmale gleichfalls häufig vorhanden. Die Vermeidung der phobischen Situation steht oft im Vordergrund, und einige Agoraphobiker erleben nur wenig Angst, da sie die phobischen Situationen meiden können.

ICD 11 - Definitionicd.who.int


Foundation Id : http://id.who.int/icd/entity/530592394
6B02 Agoraphobia
Parent
 
Description
Agoraphobia is characterized by marked and excessive fear or anxiety that occurs in response to multiple situations where escape might be difficult or help might not be available, such as using public transportation, being in crowds, being outside the home alone (e.g., in shops, theatres, standing in line). The individual is consistently anxious about these situations due to a fear of specific negative outcomes (e.g., panic attacks, other incapacitating or embarrassing physical symptoms). The situations are actively avoided, entered only under specific circumstances such as in the presence of a trusted companion, or endured with intense fear or anxiety. The symptoms persist for least several months, and are sufficiently severe to result in significant distress or significant impairment in personal, family, social, educational, occupational, or other important areas of functioning.

...

 

Unautorisierte Übersetzung

Agoraphobie zeichnet sich durch ausgeprägte und übermäßige Furcht oder Angst aus, die als Reaktion auf Situationen auftritt, in denen Flucht schwierig sein könnte oder Hilfe nicht zur Verfügung stehen könnte, z. B. bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, dem Aufenthalt in Menschenmengen,  außerhalb des Zuhauses (z. B. in Geschäften, im Theater, Schlange stehen). Das Individuum ist ständig besorgt über diese Situation aufgrund der Furcht vor bestimmten negativen Folgen (z. B. Panikattacken, anderen behindernden oder peinlichen körperlichen Symptomen). Die Situationen werden aktiv vermieden, nur unter bestimmten Umständen, z. B. bei Anwesenheit eines vertrauten Begleiters,  oder mit intensiver Furcht oder Angst ertragen. Die Symptome bleiben mindestens einige Monate bestehen und sind so stark, dass sie zu erheblichen Belastungen oder erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen führen.

...

Verwandte Themen - Psyche und die gesetzl. UV

 

Um welche Belastungen geht es?

 

Typische Psychische Belastungen im Beruf und der Arbeitsunfall

 

Wann ist man psychisch krank?

Wie wird psychisch krank definiert?

 

Psychische Traumen

Wie wird ein psychisches Trauma definiert?

Definition des Gesundheitsschadens

Wie definiert die Rechtsprechung den Rechtsbegriff Gesundheitschaden bzw. 

 Gesundheitserstschaden ?

Ähnliche Symptome, aber andere Ursache

Verschiebung der Wesensgrundlage 

Was bedeutet das?

 

Akute Belastungsreaktion

Akute Belastungsreaktion  Was ist das?

 

Posttraumatische Belastungsstörung

Welche Traumata und Symptome werden für eine Posttraumatische Belastungsstörung

nach dem  ICD 10, dem ICD 11 bzw. dem  DSM5 vorausgesetzt?

 

Anpassungsstörung

Psychische Störungen ohne "massives Trauma"

- die Anpassungsstörung

Welche Belastungen  und Symptome werden dafür nach ICD 10, ICD 11 und DSM 5 vorausgesetzt?

 

Wie hilft die gesetzliche Unfallversicherung? 

Gefährdungsbeurteilung

Akutintervention nach traumatischen Ereignissen

Psychotherapeutenverfahren

Freiburger Arbeitsunfallstudie

 

Kritische Begriffe

Krankheitsgewinn

Agoraphobie

 

Depression

 

Burn out

 

Dissoziative Störung

 

Mobbing

Somatoforme Störung

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Psychische Belastungen als Arbeitsunfall

Einstieg

 

Typische Extrem- oder Gewaltsituationen, die zu psychischen Gesundheitsschäden führen können:

  • Miterleben eines Schul-Amoklaufs oder einer Geiselnahme oder als Zeuge/Helfer nach einem katastrophalen Geschehen
  • als Opfer eines Raubüberfalls in einer Bank, in einer Spielhalle, im Laden oder im eigenen Taxi
  • als Opfer eines Gewaltübergriffes bei der Arbeit als Schaffner, Busfahrer, Sicherheitspersonal, Krankenschwester...
  • als beteiligter Fahrer eines Zuges oder eines Lkws bei einem Unfall mit schwerer Verletzung oder Todesfolge anderer
  • als Opfer einer Vergewaltigung auf dem Heimweg von der Arbeit oder nachts beim Zeitungzustellen oder als Aufsichtsperson...

Die gesetzliche Unfallversicherung muss auch für ihre Versicherten für solche Unfälle ein optimales Behandlungs- und Rehabilitationsverfahren gewährleisten.

Möglichst unmittelbar nach dem belastenden Ereignis sollte psychologische Akutberatung und Betreuung angeboten werden.


Die Rolle des Arbeitgebers ist dabei wichtig:

  • Gefährdungsbeurteilung! Prävention!
  • geregelte betriebsinterne Abläufe,  z. B. wenn ein Raubüberfall passiert
  • Vorfall sofort melden!
  • sich nach der akuten Situation um die Betroffenen kümmern
  • Kontakt halten bzw suchen
  • betriebliches Eingliederungsmanagement.

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Psyche und Krankheit - psychisch krank?

 

Was bedeutet eigentlich Psyche und wie definiert man eine psychische Störung?

Nach der Psychotherapie-Richtlinie: "Seelische Strukturen werden in dieser Richtlinie verstanden als die anlagemäßig disponierenden und lebensgeschichtlich erworbenen Grundlagen seelischen Geschehens, das direkt beobachtbar oder indirekt erschließbar ist." 

Psychische Krankheit

Analog DSM 5 (TR): klinisch signifikante dysfunktionale Störungen in den Kognitionen, der Emotionsregulation und im Verhalten einer Person. 
 
Die Psychotherapie-Richtlinie versteht seelische Krankheit
  • als krankhafte Störung der Wahrnehmung, des Verhaltens, der Erlebnisverarbeitung, der sozialen Beziehungen und der Körperfunktionen, die der willentlichen Steuerung nicht mehr oder nur zum Teil zugänglich sind,
  • bedingt durch seelische oder körperliche Faktoren, aktuelle Krisen seelischen Geschehens, aber auch pathologische Veränderungen seelischer Strukturen.
  • Auch Beziehungsstörungen können Ausdruck von Krankheit sein; sie sind für sich allein nicht schon Krankheit im Sinne dieser Richtlinie, sondern können nur dann als seelische Krankheit gelten, wenn ihre ursächliche Verknüpfung mit einer Veränderung des seelischen oder körperlichen Zustandes eines Menschen nachgewiesen wurde. 

 

 

Psychisches Trauma

 
Das medizinische Klassifikationssystem ICD-10 und die zugehörigen diagnostischen Anleitungen beschreiben das Traumakriterium als:

 „[…] ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde (z. B. Naturkatastrophe oder menschlich verursachtes schweres Unheil – man-made disaster – Kampfeinsatz, schwerer Unfall, Beobachtung des gewaltsamen Todes Anderer oder Opfersein von Folter, Terrorismus, Vergewaltigung oder anderen Verbrechen).“

DSM5 (TR):  Quelle: dsm5.org- abgerufen am 19.12.2015

"The diagnostic criteria for the manual’s next edition identify the trigger to PTSD as exposure to actual or threatened death, serious injury or sexual violation. The exposure must result from one or more of the following scenarios, in which the individual:

  • directly experiences the traumatic event;
  • witnesses the traumatic event in person;
  • learns that the traumatic event occurred to a close family member or close friend (with the actual or threatened death being either violent or accidental); or
  • experiences first-hand repeated or extreme exposure to aversive details of the traumatic event (not through media, pictures, television or movies unless work-related).

The disturbance, regardless of its trigger, causes clinically significant distress or impairment in the individual’s social interactions, capacity to work or other important areas of functioning. It is not the physiological result of another medical condition, medication, drugs or alcohol."


Für den Traumabegriff im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung reicht nicht

stressbedingte psychische Belastung

  • durch Arbeits- und Zeitdruck oder
  • durch mangelnde Einarbeitung und Unterstützung durch den Arbeitgeber
  • durch mangelnde Aufgabenbeschreibung
  • durch fehlerhaftes Vorgesetztenverhalten oder
  • durch unzureichendes Konfliktmanagement.

Solche Situationen können krank machen und sind sicherlich für einen Teil der Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen verantwortlich.


Die Arbeitgeber müssen hier präventiv gegensteuern - www.gefaehrdungsbeurteilung.de

 
Mögliche Faktoren für psychische Belastungen in der Arbeitswelt

siehe http://www.iga-info.de/veroeffentlichungen/igareporte/igareport-32/?L=0

  • Rollenambiguität, Rollenkonflikte, Rollenüberforderung,
  • Arbeitsunzufriedenheit, Commitment und Kündigungsabsichten.
  • fehlende soziale Unterstützung
  • Unsichere Arbeitsplätze, geringer Handlungsspielraum
  • distributive Ungerechtigkeit
/ prozedurale UngerechtigkeitUngerechtigkeit der Vorgesetzten im Umgang miteinander
  • angespannte Beziehung zu Kollegen und Kolleginnenkleinere, alltägliche Ärgernisse
  • geringer Handlungsspielraum
  • Lange Arbeitszeiten oder monotone Tätigkeiten waren mit einem erhöhten Rauchkonsum assoziiert.
  • unflexible Arbeitszeiten

Gesundheitsschaden

hier: Psychische Gesundheitsstörungen in der gesetzlichen Unfallversicherung

Bundessozialgericht sozialgerichtsbarkeit.de 

B 2 U 1/05 R 09.05.2006

 

"Auch psychische Reaktionen können rechtlich wesentlich durch ein Unfallereignis verursacht werden (vgl ...).

Psychische Gesundheitsstörungen können nach einem Arbeitsunfall in vielfältiger Weise auftreten: Sie können

unmittelbare Folge eines Schädel Hirn Traumas mit hirnorganischer Wesensänderung sein,

sie können aber auch ohne physische Verletzungen, zB nach einem Banküberfall, entstehen,

sie können die Folge eines erlittenen Körperschadens, zB einer Amputation, sein,

sie können sich in Folge der Behandlung des gesundheitlichen Erstschadens erst herausbilden.

Voraussetzung für die Anerkennung von psychischen Gesundheitsstörungen als Unfallfolge ist zunächst die Feststellung der konkreten Gesundheitsstörungen, die bei dem Verletzten vorliegen und seine Erwerbsfähigkeit mindern (BSG Urteil vom 29. Januar 1986 - 9b RU 56/84; vgl BSG Urteil vom 19. August 2003 B 2 U 50/02 R ).

Angesichts der zahlreichen in Betracht kommenden Erkrankungen und möglicher Schulenstreite sollte diese Feststellung nicht nur begründet sein, sondern aufgrund eines der üblichen Diagnosesysteme und unter Verwendung der dortigen Schlüssel und Bezeichnungen erfolgen, damit die Feststellung nachvollziehbar ist (zB ICD 10 = Zehnte Revision der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO aus dem Jahre 1989, vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ins Deutsche übertragen, herausgegeben und weiterentwickelt; DSM IV = Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen der Amerikanischen psychiatrischen Vereinigung aus dem Jahre 1994, deutsche Bearbeitung herausgegeben von Saß/Wittchen/Zaudig, 3. Aufl 2001).

Denn je genauer und klarer die bei dem Versicherten bestehenden Gesundheitsstörungen bestimmt sind, um so einfacher sind ihre Ursachen zu erkennen und zu beurteilen sowie letztlich die MdE zu bewerten.

Begründete Abweichungen von diesen Diagnosesystemen aufgrund ihres Alters und des zwischenzeitlichen wissenschaftlichen Fortschritts sind damit nicht ausgeschlossen."

 

Gesundheitserstschaden 

 

Definition des Bundessozialgerichts

B 2 U 9/11 R sozialgerichtsbarkeit.de

B 2 U 23/11 R sozialgerichtsbarkeit.de

 

"... "Gesundheitserstschaden" ist jeder abgrenzbare Gesundheitsschaden, der unmittelbar durch eine versicherte Einwirkung objektiv und rechtlich wesentlich verursacht wurde, die durch ein- und dieselbe versicherte Verrichtung objektiv und rechtlich wesentlich verursacht wurde. Es handelt sich also um die ersten voneinander medizinisch abgrenzbaren Gesundheitsschäden (oder den Tod), die "infolge" ein- und derselben versicherten Verrichtung eintreten. ..."
Schönberger/Mehrtens/Valentin, 9. Auflage, Seite 5: besonderer Ausprägungsgrad des G. nicht erforderlich, auch keine Behandlungsbedürftigkeit oder Arbeitsunfähigkeit.

Verschiebung der Wesensgrundlage

 

"...Klingen unfall- oder schädigungsbedingte Gesundheitsstörungen ab, treten aber neue, davon unabhängige Leiden auf, die die gleichen Symptome aufweisen wie die früher bestehenden Verletzungsfolgen, wird von einem "Verschieben der Wesensgrundlage" (Wechsel der Ursache) eines Leidens gesprochen (vgl. BSGE 13, 89 = SozR Nr.9 zu § 62 BVG = NJW 1961, 284; vgl. Wiesner in von Wulffen, SGB X, § 48 Rdnr.13). Nach der Rechtsprechung des BSG ist bei der Geltendmachung außergewöhnlicher psychoreaktiver Störungen als Unfallfolge zu prüfen, ob selbst dann, wenn der Unfall eine rechtlich wesentliche Teilursache der psychischen Reaktion war, auch der weitere Verlauf der Erkrankung noch rechtlich wesentlich auf das Ereignis zurückzuführen ist oder nicht andere Ursachen so sehr in den Vordergrund getreten sind, dass sie für das fortbestehende Krankheitsbild als rechtlich allein ursächlich anzusehen sind (BSG, Urteil vom 18.12.1962 = BSGE 18, 173, 177)....

https://www.jurion.de/Urteile/BSG/1962-12-18/2-RU-189_59

 

 

Bayerisches Landessozialgericht L 3 U 137/04 26.09.2007

https://sozialgerichtsbarkeit.de

   

 

Akute Belastungsreaktion ICD 10 - F43.0

 

Eine vorübergehende Störung, die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt.

Die individuelle Vulnerabilität und die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) spielen bei Auftreten und Schweregrad der akuten Belastungsreaktionen eine Rolle.

Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von "Betäubung", mit einer gewissen Bewusstseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit.

Diesem Zustand kann ein weiteres Sichzurückziehen aus der Umweltsituation folgen (bis hin zu dissoziativem Stupor, siehe F44.2) oder aber ein Unruhezustand und Überaktivität (wie Fluchtreaktion oder Fugue). Vegetative Zeichen panischer Angst wie Tachykardie, Schwitzen und Erröten treten zumeist auf.

Die Symptome erscheinen im allgemeinen innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis und gehen innerhalb von zwei oder drei Tagen, oft innerhalb von Stunden zurück. Teilweise oder vollständige Amnesie (siehe F44.0) bezüglich dieser Episode kann vorkommen. Wenn die Symptome andauern, sollte eine Änderung der Diagnose in Erwägung gezogen werden.

 

Akut:
Belastungsreaktion
Krisenreaktion
Kriegsneurose
Krisenzustand
Psychischer Schock



Die neue ICD 11 definiert die akute Stressreaktion so:

 

https://icd.who.int/

Meine unautorisierte private Übersetzung:

Unter akuter Stressreaktion versteht man die Entwicklung vorübergehender emotionaler, somatischer, kognitiver oder verhaltensbedingter Symptome infolge der Einwirkung eines Ereignisses oder einer Situation (kurz oder lang anhaltend) extrem bedrohlicher oder schrecklicher Natur (z.B. Naturkatastrophen oder von Menschen verursachte Katastrophen, Kampf, schwere Unfälle, sexuelle Gewalt, Körperverletzung). Zu den Symptomen können autonome(?) Zeichen von Angst gehören (z.B. Tachykardie, Schwitzen, Erröten), Benommenheit, Verwirrung, Traurigkeit, Angst, Wut, Verzweiflung, Überaktivität, Inaktivität, sozialer Rückzug oder Stumpfheit. Die Reaktion auf den Stressor gilt angesichts der Schwere des Stressors als normal und beginnt in der Regel innerhalb weniger Tage nach dem Ereignis oder nach der Entfernung aus der bedrohlichen Situation nachzulassen.

Posttraumatische Belastungsstörung und ICD 10

 

 
     
   

 

Definition nach ICD-10 (F43.1)


Posttraumatische Belastungsstörung
   

Diese entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, 

mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß,

die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. 

Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Alpträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung (F62.0) über.

   

Traumatische Neurose


 

Posttraumatische Belastungsstörung nach ICD 11

 

abgerufen am 31.8.2018  unter https://icd.who

private Übersetzung für meine Zwecke

Eine posttraumatische Belastungsstörung ist ein Syndrom, das sich bei Menschen entwickelt, die einem extrem bedrohlichen oder schrecklichen Ereignis oder einer Serie solcher Ereignisse ausgesetzt waren, mit allen folgenden Charakteristika:

1) das traumatische Ereignis bzw die traumatischen Ereignisse werden in der Gegenwart wiedererlebt in Form von lebhaften und sich aufzwingenden Erinnerungen, flashbacks oder Albträumen, die typischerweise von starken und überwältigenden Emotionen begleitet werden wie Furcht, extreme Angst und starken körperlichen Empfindungen, oder dem Gefühl von den denselben intensiven Emotionen überwältigt oder erfasst zu sein, die während des traumatischen Ereignisses erlebt worden sind; 
2) Vermeiden von Gedanken und Erinnerungen an das bzw. die Ereignisse, oder Vermeiden von Aktivitäten, Situationen oder Menschen, die an das bzw. die Ereignisse erinnern;
3) das anhaltende Gefühl erhöhter aktueller Bedrohung, das sich zum Beispiel durch extreme Wachsamkeit oder eine verstärkte schreckhafte Reaktion auf Reize wie unerwarteter Lärm äußert.
 
Die Symptome müssen für mindestens einige Wochen anhalten und eine erhebliche Beeinträchtigung in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen verursachen.
 
"ICD-11 (Mortality and Morbidity Statistics)

Last Update: Aug 30

Foundation Id : http://id.who.int/icd/entity/2070699808

6B40 Post traumatic stress disorder

ICD-10 : F43.1  

Description

Post-traumatic stress disorder (PTSD) is a syndrome that develops following exposure to an extremely threatening or horrific event or series of events that is characterized by all of the following:

1) re-experiencing the traumatic event or events in the present in the form of vivid intrusive memories, flashbacks, or nightmares, which are typically accompanied by strong and overwhelming emotions such as fear or horror and strong physical sensations, or feelings of being overwhelmed or immersed in the same intense emotions that were experienced during the traumatic event;

2) avoidance of thoughts and memories of the event or events, or avoidance of activities, situations, or people reminiscent of the event or events; and

3) persistent perceptions of heightened current threat, for example as indicated by hypervigilance or an enhanced startle reaction to stimuli such as unexpected noises.

The symptoms must persist for at least several weeks and cause significant impairment in personal, family, social, educational, occupational or other important areas of functioning."

Posttraumatische Belastungsstörung nach DSM 5 ©

"Der Senat nimmt mit Dr. U. zudem an, dass auch die Voraussetzungen für die Annahme des A-Kriteriums nach dem neu herausgegebenen und nunmehr seit 2015 in deutscher Sprache vorliegenden DSM-5 (vgl. Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5, Deutsche Ausgabe herausgegeben von Peter Falkai und Hans-Ullrich Wittche, 2015 Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG) hier nicht vorliegen.

Anders als in DSM IV fällt bei DSM-5 zwar nunmehr das A2-Kriterium weg, andererseits - so zutreffend Dr. U. - lässt das A-Kriterium nach DSM-5 aber eine rein subjektive Bedrohung nicht mehr genügen. In DSM-5 (a. a. O. Seite 369) wird das A-Kriterium formuliert: Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod, ernsthafter Verletzung oder sexueller Gewalt auf eine (oder mehrere) der folgenden Arten:
1. Direktes Erleben eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse.
2. Persönliches Erleben eines oder mehrerer solcher traumatischen Ereignisse bei anderen Personen.
3. Erfahren, dass einem nahen Familienmitglied oder einem engen Freund ein oder mehrere traumatische Ereignisse zugestoßen sind. Im Falle von tatsächlichem oder drohendem Tod des Familienmitgliedes oder Freundes muss das Ereignis bzw. müssen die Ereignisse durch Gewalt oder einen Unfall bedingt sein.
4. Die Erfahrung wiederholter oder extremer Konfrontation mit aversiven Details von einem oder mehreren derartigen traumatischen Ereignissen (z. B. Ersthelfer, die menschliche Leichenteile aufsammeln oder Polizisten, die wiederholt mit schockierenden Details von Kindesmissbrauch konfrontiert werden).

Das diagnostische Merkmal "Konfrontation mit tatsächlichem Tod oder drohendem Tod oder ernsthafter Verletzung" wird dabei wie folgt erläutert (siehe Seite 373 f.): "Direkt erlebte traumatische Ereignisse (in Kriterium A aufgeführt) umfassen folgende Erlebnisse, sind aber nicht auf diese begrenzt: Kriegserfahrung als Soldat oder Zivilist, drohender oder tatsächlicher körperlicher Übergriff (z. B. körperlicher Angriff, Raubüberfall, Überfall auf der Straße, körperliche Misshandlung in der Kindheit), drohende oder tatsächliche sexuelle Gewalt ( ), Entführung, Geiselnahme, Terroranschlag, Folterung, Kriegsgefangenschaft, Natur- oder durch Menschen verursachte Katastrophen und schwere Verkehrsunfälle."

Dr. U. hat zutreffend darauf verwiesen, dass das Unfallereignis diese Voraussetzungen nicht erfüllt. Denn der von dem Kläger erlittene Verkehrsunfall kann nicht als "schwer" bezeichnet werden. Auch bei Betrachtung der übrigen Beispiele wird deutlich, dass das von dem Kläger erlebte Ereignis nicht als traumatisches Ereignis in diesem Sinne beurteilt werden kann.

Insgesamt ist festzustellen, dass nicht im Vollbeweis nachgewiesen ist, dass bei dem Kläger eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegt.

 

 

Anpassungsstörung - ICD 10

 

Definition ICD 10

...
Bei Anpassungsstörungen (ICD10 - F43.2) handelt es sich um Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten.
 
Die Belastung kann das soziale Netz des Betroffenen beschädigt haben (wie bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnissen) oder das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte (wie bei Emigration oder nach Flucht).
 
Sie kann auch in einem größeren Entwicklungsschritt oder einer Krise bestehen (wie Schulbesuch, Elternschaft, Misserfolg, Erreichen eines ersehnten Zieles oder Ruhestand).
 
Die individuelle Prädisposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine bedeutsame Rolle; es ist aber dennoch davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre.
 
Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive Stimmung, Angst oder Sorge (oder eine Mischung von diesen).
Außerdem kann ein Gefühl bestehen, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurecht zu kommen, diese nicht vorausplanen oder fortsetzen zu können.
 
Störungen des Sozialverhaltens können insbesondere bei Jugendlichen ein zusätzliches Symptom sein.
Hervorstechendes Merkmal kann eine kurze oder längere depressive Reaktion oder eine Störung anderer Gefühle und des Sozialverhaltens sein.
 

als Folge eines Arbeitsunfalls

Beispiel: LSG Baden-Württemberg 27.08.2010, L 8 U 1427/10
 
 
Vielen Dank ​​​​​fürs Vorbeischauen 

 

 

Anpassungsstörung - ICD 11

 

WHO - abgerufen am 16.2.2019:

icd.who.int/browse11

 

ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics

 (2018)

Foundation Id : http://id.who.int/icd/entity/264310751

6B43 Adjustment disorder

Parent

Show all ancestors expand

 

Description

Adjustment disorder is a maladaptive reaction to an identifiable psychosocial stressor or multiple stressors (e.g., divorce, illness or disability, socio-economic problems, conflicts at home or work) that usually emerges within a month of the stressor.

The disorder is characterized by preoccupation with the stressor or its consequences, including excessive worry, recurrent and distressing thoughts about the stressor, or constant rumination about its implications, as well as by failure to adapt to the stressor that causes significant impairment in personal, family, social, educational, occupational or other important areas of functioning.

The symptoms are not of sufficient specificity or severity to justify the diagnosis of another Mental and Behavioural Disorder and typically resolve within 6 months, unless the stressor persists for a longer duration.

Exclusions

  • separation anxiety disorder of childhood (6B05)
  • Recurrent depressive disorder (6A71)
  • Single episode depressive disorder (6A70)
  • Prolonged grief disorder (6B42)
  • Uncomplicated bereavement (QE62)
  • Burn-out (QD85)
  • Acute stress reaction (QE84)

Eigene Stichworte (unautorisiert!)

identifizierbarer psychosozialer Stressor

z. B.

Krankheit, Behinderung, sozialökonomische Probleme, Konflikte im häuslichen oder beruflichen Umfeld ...

Auftreten binnen eines Monats

Besorgnis über den Stressor und dessen Konsequenzen

exzessive gedankliche Beschäftigung und Sorgen verbunden mit Stress, Grübeln

signifikante Einschränkung im beruflichen Bereich und anderen wichtigen Funktionsbereichen

Symptome nicht spezifisch und schwer genug, um eine andere Diagnose zu rechtfertigen

verschwinden typischer Weise binnen 6 Monaten, es sei denn der Stressor wirkt fortwährend.


 

Anpassungsstörung - DSM 5

Eigene unautorisierte Umschreibung:

Nach DSM 5 TR müssen identifizierbare Belastungsfaktoren zugrunde liegen, wie das Ende einer Liebesbeziehung oder Konflikte mit Bezug zur Berufstätigkeit oder in einer Partnerbeziehung. Es können wiederkehrende Belastungen sein, wie z. B. saisonale berufliche Krisensituationen oder eine unerfüllte sexuelle Beziehung. Es können andauernde Zustände sein, wie eine chronische schmerzhafte Erkrankung mit zunehmender Behinderung oder das Leben in einer kriminalitätsbelasteten Nachbarschaft. Belastungsfaktoren können auch verbunden sein mit Änderungssituationen der persönlichen Entwicklung wie das Scheitern in beruflichen Zielen, das Leistungsversagen im Studium oder der Eintritt in den Ruhestand bzw. das Rentnerdasein. Nach dem Tod eines geliebten Menschen kann eine Anpassungsstörung diagnostiziert werden, wenn Intensität, Qualität und Dauer der Trauerreaktion das Maßüberschreiten, was den kulturellen, religösen und alterstypischen Normen entspricht.


DSM 5 TR-Kriterien der Anpassungsstörung in eigenen Stichworten (kein wörtliches Zitat!)

A - emotionale oder verhaltensrelevante Symptome, die sich innerhalb von 3 Monaten nach einem identifizierbaren Stressor entwickeln.

B - verhaltensbezogene Symptome liegen klinisch signifikant vor, entweder als unverhältnismäßige Stressreaktion oder als signifikante Störungen im sozialen, beruflichen oder einem anderen wichtigen Funktionsbereich.

C - die stressbedingte Störung ist nicht einer anderen Störung zuzuordnen, auch nicht im Sinne eines Wiederauflackerns einer vorbestehenden Erkrankung.

D - Die Symptome entsprechen nicht denjenigen einer normalen Trauerreaktion.

E - Wenn der Stressor oder seine Konsequenzen beendet sind, bleiben die Symptome nicht länger als weitere 6 Monate bestehen.

Autorisierte deutsche Übersetzung siehe
Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5®
Deutsche Ausgabe herausgegeben von P. Falkai und H.-U. Wittchen, mitherausgegeben von M. Döpfner, W. Gaebel, W. Maier, W. Rief, H. Saß und M. Zaudig
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